Das Schultergelenk

Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk des Körpers und bei vielen Unfällen oder Erkrankungen betroffen.

Zu Beginn der Behandlung erfolgt nach der Anamneseerhebung eine sorgfältige Untersuchung der Schulter mit der sich bereits eine Vielzahl von Erkrankungen feststellen lässt. Bei Bedarf folgen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und Kernspintomographie.

Nach erfolgter Diagnostik ist oft erst eine konservative Therapie – z. B. in Form von Physiotherapie, Stosswelle, Scenar oder Injektionen – sinnvoll.

Zur operativen Behandlung steht ein großes Spektrum an modernen Therapieverfahren zur Verfügung. Die meisten Erkrankungen der Schulter werden in der Regel arthroskopisch (Schlüssellochchirurgie) behandelt.

Schulterengesyndrom und Kalkschulter

Das so genannte Subacromial-Syndrom umfasst eine große Gruppe von unterschiedlichen Erkrankungen des genannten Subacromialraumes (Gelenkbereich unterhalb des Schulterdachs). Das Subacromial-Syndrom ist die häufigste Ursache von Schulterschmerzen. Häufig wird auch der Begriff des Impingements (Einklemmung) verwendet.

Knöcherne Ausziehungen des Schulterdaches (Osteophyten), Kalkeinlagerungen der Rotatorenmanschette (Tendinosis calcarea) und die chronische Schleimbeutelentzündung (Bursitis) sind die häufigsten Ursachen der Erkrankung.

Wir führen in der Regel zunächst eine konservative Behandlung durch. Sie beinhaltet die medikamentöse Schmerzlinderung, kombiniert mit Infiltrationen der Schulter und im Falle der Kalkschulter auch mit Stoßwelle.

Sollte der Therapieerfolg ausbleiben, steht mit der arthroskopisch durchgeführten subacromialen Dekompression (SAD) ein relativ einfacher und schneller Eingriff zur Verfügung, den wir in der Regel ambulant durchführen.

Hierbei erfolgt eine Vergrößerung des subacromialen Gleitraumes durch die Entfernung des entzündeten Schleimbeutels unter dem Schulterdach und die Abtragung der knöchernen Veränderungen des Schulterdaches. Auch Kalkeinlagerungen in der Sehne können einfach dabei entfernt werden.

Nach dem Eingriff wird eine zügige krankengymnastische Beübung durchgeführt. Überkopfarbeiten sollten für ca. 6 Wochen vermieden werden.

Schulterinstabilität (Schulterluxation)

Die Instabilität des Schultergelenks kann entweder konstitutionell (angeboren) oder erworben sein. Bei der unfallbedingten Verrenkung (Luxation) der Schulter kommt es zu einer Verletzung der Schulterkapsel und des Labrums. Aufgrund dieses Schadens kann die Schulter ohne erneuten Unfall im weiteren Verlauf spontan herausspringen.

Die operative Gelenkstabilisierung vermeidet Spätschäden und das wiederholte Verrenken der Schulter bei schon alltäglichen Bewegungen. Hierbei wird die verletzte Gelenklippe (Labrum) im Rahmen einer arthroskopischen Operation refixiert. Die Operation führen wir in der Regel ambulant durch.

Bei der habituellen Instabilität ist oft eine spezielle Krankengymnastik ausreichend, um das Gelenk durch eine Stärkung der Muskulatur zu stabilisieren. Sollte dies nicht gelingen, kann die Stabilisierung im Rahmen einer so genannten Kapsel-shift Operation erreicht werden.

Sportliche Betätigung ist erst nach ca. drei Monaten möglich. Eine spezielle krankengymnastische Übungsbehandlung ist nach den genannten Operationen wichtig.

Schulterstabilisierung: Op verfahren push lock

Erkrankungen der langen Bicepssehne

Die lange Bizepssehne liegt innerhalb des Schultergelenkes und ist deshalb bei Veränderungen des Gelenkes häufig betroffen.

Entzündliche Veränderungen der langen Bizepssehne können oft konservativ behandelt werden. Degenerativer Verschleiß der Sehne, der über einen längeren Zeitraum Schmerzen bereitet, kann über eine Durchtrennung der Sehne am Ansatz (Bizepstenotomie) bzw. eine Ablösung der Sehne mit nachträglicher Verankerung am Oberarmkopf (Bizepstenodese) behandelt werden. Dabei wird die Sehne arthroskopisch mit Ankern oder Schrauben refixiert.

Bei frischen Teilrissen der Sehne am Ansatz am oberen Schulterpfannenrand (SLAP-Läsion) wird eine Verankerung der Sehne am Pfannenrand arthroskopisch unter Verwendung von Fadenankern durchgeführt.

Für ca. sechs Wochen nach der Operation sollten das Tragen und Heben von schwereren Lasten oder auch Überkopfarbeiten vermieden werden.

Erkrankungen der Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette besteht aus Sehnen, die vom Schulterblatt zum Oberarmkopf ziehen. Diese bewegen den Arm zur Seite und nach oben, sie drehen ihn nach außen und innen. Durch einen Unfall oder Verschleiß der Sehnen kann es zum Riss einer oder mehrerer Sehnen kommen. Die Häufigkeit der Rotatorenmanschettenrisse steigt mit zunehmendem Alter. Dabei stehen Schmerzen und zum Teil eine erhebliche Kraftminderung und Bewegungseinschränkung im Vordergrund.

Die Behandlung von Rupturen der Rotatorenmanschette ist abhängig von der schmerzhaften Funktionseinschränkung, dem Alter des Patienten, seinem Funktionsanspruch und der Größe der Ruptur. Ziel der operativen Behandlung ist die Wiedererlangung der Kraft und Beweglichkeit bei Linderung der Schmerzen.

Oft können verschleißbedingte Risse konservativ symptomatisch durch Krankengymnastik und gegebenenfalls Kortisoninfiltrationen behandelt werden.

Bei frischen Rissen, anhaltenden Beschwerden oder Verlust an Funktionen ist eine Operation erforderlich. Die Risse werden im Rahmen einer arthroskopischen Operation genäht.

Große ältere Risse der Rotatorenmanschette können oft nicht mehr genäht werden. Wenn sie zu anhaltenden Schmerzen oder einer deutlichen Einschränkung der Funktion führen, ist eine Muskelersatz-Operation (Latissimus-Transfer) oder auch der Einsatz einer speziellen Endoprothese (inverse Prothese) möglich.

Die Operationen können ambulant oder stationär durchgeführt werden. Für vier bis sechs Wochen ist eine spezielle Armschiene (Abduktionskissen) zu tragen; der Arm darf nicht aktiv bewegt werden, damit die angenähten Sehnen einheilen können.

Rekonstruktion der Rotatorenmanschette speed fix

Erkrankungen des Schultereckgelenks (AC-Gelenk)

Probleme am Schultereckgelenk (Acromioclaviculargelenk = AC-Gelenk) werden vor allem durch eine Arthrose oder Instabilität verursacht.

Die Behandlung der Arthrose des AC-Gelenks beinhaltet meist eine arthroskopische Entfernung des äußeren Anteils des Schlüsselbeines (ca. 5–7 mm). Die arthroskopische Entfernung wird häufig mit weiteren Eingriffen wie der Entfernung des Schleimbeutels oder der subacromialen Dekompression durchgeführt.

Frische unfallbedingte oder chronische Instabilitäten des Schultereckgelenkes können über etablierte arthroskopische oder minimalinvasive Operationstechniken versorgt werden. Eine alte Instabilität bzw. Luxation des Schultereckgelenkes bereitet häufig Probleme und kann mit einer Sehne aus dem Oberschenkel (Gracilis-Sehne) stabilisiert werden.

Schultersteife

Die Schultersteife (auch frozen shoulder oder adhäsive Kapsulitis) ist eine entzündliche Erkrankung der Schultergelenkkapsel, die zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung des Gelenkes führt. Die Kapsulitis verläuft in mehreren Stadien, am Ende kann es zur kompletten Einsteifung der Schulter kommen.

Die Behandlung der Schultersteife erfolgt zu Beginn konservativ, wobei auch eine Cortisoneinnahme oder -injektion eingesetzt wird. Bei längerem Verlauf kann diese Erkrankung durch eine Operation mit arthroskopischer Mobilisierung und Spaltung der Gelenkkapsel behandelt werden. Besonders wichtig ist dabei die stadiengerechte Nachbehandlung mit Physiotherapie.

Schultergelenkverschleiß

Der Verschleiß des Schultergelenks (Omarthrose) entsteht entweder im Rahmen von altersbedingtem Verschleiß oder als Folge von Knochenbrüchen des Oberarmkopfes. Auch chronische Rissbildungen der Rotatorenmanschette (Sehnen am Schultergelenk) können zur Arthrose führen (Defekt- oder Cuff-Arthropathie). Seltener wird die Omarthrose auf dem Boden von Knochennekrosen des Oberarmkopfes beobachtet, wie z. B. bei Stoffwechselerkrankungen oder bedingt durch bestimmte Medikamente.

Zunehmende Schmerzen und der allmähliche Verlust der Beweglichkeit führen zu erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Durch jahrelange Erfahrung in der Endoprothetik des Schultergelenkes können wir im Rahmen unserer Kooperation mit der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden die stationär operative Behandlung jedweder Form der Omarthrose anbieten.

Abhängig von der jeweiligen Arthrosesituation und dem Grad des Verschleißes kommen Teilprothesen (Hemi-Cap), knochensparende Kurzschaftprothesen sowie anatomische oder inverse Vollprothesen zum Einsatz.

Nach dem stationären Aufenthalt schließt sich entweder direkt oder nach einigen Wochen eine Rehabilitation an.

Das primäre Ziel der Operation ist die Wiederherstellung der Schmerzfreiheit. Zusätzlich wird eine deutliche Besserung der Beweglichkeit zur Wiedererlangung der Gebrauchsfähigkeit im Alltag erreicht.